Astronomie Aktuell:

 

Der Sternenhimmel im Dezember 2017

 

von Raoul Fiebig

 

 

Himmelsj√§ger Orion erst√ľrmt das Firmament

 

P√ľnktlich zum astronomischen Winteranfang am 21. Dezember 2017 √ľbernehmen die Winterkonstellationen das Zepter am abendlichen Sternenhimmel. In s√ľd√∂stlicher Richtung steht nun das pr√§chtige Wintersechseck vollst√§ndig √ľber dem Horizont. Es konstruiert sich aus den hellen Sternen Rigel im Orion, Aldebaran im Stier, Kapella im Fuhrmann, Pollux in den Zwillingen, Prokyon im Kleinen Hund sowie Sirius, dem hellsten Fixstern am irdischen Firmament, der als Hauptstern des Gro√üen Hundes nahe des S√ľdosthorizonts erstrahlt. Auf das wohl charakteristischste Wintersternbild, den Orion, trifft man oberhalb des Gro√üen Hundes. Mit seinen hellen Riesensternen Rigel und Beteigeuze sowie dem auff√§lligen, aus drei Sternen bestehenden G√ľrtel, zieht der Orion die Blicke unweigerlich auf sich. Blickt man noch weiter am Himmel empor, so ersp√§ht man den Stier mit dem r√∂tlichen Aldebaran und dem Siebengestirn, an den sich in nord√∂stlicher Richtung der Fuhrmann anschlie√üt, der inmitten der Milchstra√üe steht.

 

Den Osthimmel dominieren die Zwillinge mit den beiden hellen Sternen Kastor und Pollux. Unterhalb dieser zum Tierkreis z√§hlenden Konstellation trifft man auf den Kleinen Hund sowie den Krebs. Tief in ostnord√∂stlicher Richtung hat der Hauptstern des L√∂wen, Regulus, soeben den Horizont √ľberschritten und k√ľndet davon, da√ü auf die dunkle Jahreszeit der Fr√ľhling folgt.

 

Sternenmeer √ľber dem Kopf des Beobachters

 

Der Blick zum Zenit, dem Punkt genau √ľber dem Beobachter, offenbart ein wahres Sternenmeer, liegt das dort plazierte Sternbild Perseus doch im matten Band der Milchstra√üe, das allerdings erst au√üerhalb st√§dtischer Dunst- und Lichtglocken richtig zur Geltung kommt. Folgt man dem Verlauf der Milchstra√üe zum Nordwesthorizont, so durchquert der Blick die Sternbilder Kassiopeia, Kepheus und Schwan. Letzteres z√§hlt zu den letzten Vertretern der Sommerszenerie, w√§hrend die beiden erstgenannten als Zirkumpolarsternbilder niemals unter den Horizont sinken k√∂nnen. Tief im Nordwesten blinkt die helle Wega in der Leier, w√§hrend der Gro√üe Wagen sich im Nordosten weiter am Himmel emporschwingt, um im Fr√ľhling hoch √ľber dem Kopf des Betrachters sichtbar zu sein.

 

Den Westhimmel nehmen die bekannten Herbststernbilder Pegasus und Andromeda ein, deren Glanzzeit sich unaufh√∂rlich dem Ende zuneigt. Der recht sternenarme S√ľdwesthimmel beherbergt die Konstellationen Wassermann, Fische und Walfisch, die sich g√§nzlich ohne auffallend helle Sterne pr√§sentieren.

 

Der Dezember-Vollmond erstrahlt am Monatsdritten nahe den Hyaden im Stier. Das letzte Viertel, der abnehmende Halbmond, wird am Morgen des 10. Dezember 2017 im Löwen erreicht. Neumond ist am 18. Dezember 2017. Als zunehmender Halbmond, im ersten Viertel also, zeigt sich der Erdtrabant am 2. Weihnachtsfeiertag in den Fischen. In der Nacht vom 30. auf den 31. Dezember 2017 bedeckt der Mond zudem den hellsten Stern an der Ekliptik, Aldebaran im Stier. Das geschieht relativ häufig, in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal.

 

Der Orion - das bekannteste Wintersternbild

 

Die markante Figur des Orion gilt als das bekannteste Wintersternbild. Der Legende nach war Orion ein gro√üer J√§ger, der aufgrund seiner imposanten Erscheinung hochangesehen war. Als er sich jedoch in g√∂tterfrevelnder Weise √§u√üerte, sandten die G√∂tter einen Skorpion, der Orion t√∂tete. Zur Mahnung wurden beide Figuren an den Sternenhimmel erhoben, allerdings an zwei g√§nzlich unterschiedliche Stellen, so da√ü der eine niemals √ľber den Horizont steigt, solange der andere das Firmament noch nicht verlassen hat.

 

Zum hohen Bekanntheitsgrad des Sternbildes Orion tr√§gt die Tatsache bei, da√ü der Himmels√§quator die Konstellation ungef√§hr jeweils zur H√§lfte auf die n√∂rdliche und s√ľdliche Hemisph√§re verteilt. Damit kann der Orion von den allermeisten Standorten auf der Erde aus saisonal gesehen werden.

 

Mit dem orangeroten Riesenstern Beteigeuze (dt. Achsel) und dem blauwei√üen Rigel (dt. linkes Bein) beherbergt der Orion gleich zwei Sterne erster Gr√∂√üe, die zusammen mit zwei weiteren "Ecksternen" den Rumpf des J√§gers bilden. Ebenfalls markant ist der G√ľrtel des Orion, bestehend aus den Sternen Mintaka, Alnitak und Alnilam, von denen letzterer die "G√ľrtelschnalle" bildet. Im Schwertgeh√§nge des Orion kann man bereits mit blo√üem Auge den ber√ľhmten Orionnebel M42 ersp√§hen. Dieser Gasnebel in etwa 1.400 Lichtjahren Entfernung gilt als Sternentstehungsgebiet. Schw√§chere Sterne bilden den Kopf des J√§gers sowie Keule und Schild, die er dem "heranst√ľrmenden" Nachbarsternbild Stier entgegenh√§lt.