Astronomie Aktuell:

 

Der Sternenhimmel im Juni 2017

 

von Raoul Fiebig

 

 

Helle Nächte und leuchtende Nachtwolken

 

Am 21. Juni 2017 um 06:24 Uhr MESZ erreicht die Sonne den höchsten Punkt des Tierkreises. Mit der Sonnenwende beginnt nicht nur astronomisch der Sommer, sondern die Nächte werden langsam wieder länger. Leider wird es um die Zeit des Sommeranfangs herum in unseren Breiten nicht mehr astronomisch dunkel, was die Beobachtung des Sternenhimmels trotz der oftmals angenehm lauen Sommernächte erschwert.

 

Wer dennoch einen Blick an das Firmament wirft, erkennt hoch im Süden den Bärenhüter mit seinem rötlichen Hauptstern Arkturus. Die zwei übrigen Eckpunkte des sogenannten Frühlingsdreiecks, Spica in der Jungfrau und Regulus, der Hauptstern des Löwen, stehen hingegen schon deutlich weiter westlich und zeigen, dass sich der Wechsel zur Sommerszenerie langsam aber sicher vollzieht. Ebenfalls am Südwesthimmel zeigt sich ein heller Wandelstern: Der Riesenplanet Jupiter, dessen Untergänge nun immer früher erfolgen, ist dennoch weiter das auffälligste Objekt in der Region. Im Fernrohr zeigt er das Wechselspiel der galileischen Monde und interessante Wolkenstrukturen.

 

13. Tierkreissternbild beherrscht den Südosten

 

Der Süd- und Südosthimmel präsentiert sich auffallend sternenarm, sieht man einmal vom Bärenhüter und dem über den Horizont spähenden Skorpion mit dem hellen Antares ab. Den Bereich zwischen den Tierkreissternbildern Skorpion und Jungfrau nimmt die ebenfalls zur Ekliptik gehörende Waage ein. Im Südosten postiert sich der sehr ausgedehnte, aber nur mit lichtschwachen Sternen besetzte Schlangenträger mit der Schlange. Obwohl kaum bekannt, gehört er doch als 13. Sternbild zum Tierkreis. Hier gelangt am 15. Juni 2017 Saturn in Opposition zur Sonne. Im Teleskop zeigt der Gasriese seine berühmten Ringe sowie die hellsten seiner mehr als 60 Monde. Oberhalb des Schlangenträgers erkennt man die sechs etwas helleren Sonnen des Herkules, dessen übrige Mitgliedssterne aber ebenfalls kaum auffallen. Der Schütze, in dem sich auch das Zentrum unserer Milchstraße befindet, geht soeben im Südosten auf.

 

Sommerkonstellationen auf dem Vormarsch

 

Wer seinen Blick gen Osten wendet, findet dort die gesammelte Prominenz des Sommerhimmels vor. Die drei auffallend hellen Ecksterne des Sommerdreiecks, allen voran die strahlend weiße Wega im kleinen Sternbild Leier, ziehen die Blicke unwillkürlich auf sich. Zwar erscheint uns die Wega heller als Deneb im Schwan, doch relativiert sich dieser Eindruck, wenn man weiß, dass uns ihr Licht aus einer Entfernung von lediglich 25 Lichtjahren erreicht, während uns von Deneb ganze 1.600 Lichtjahre trennen. Die Leuchtkraft dieses heißen Überriesen übertrifft die unserer Sonne um das 100.000fache, während Wega immerhin 50mal so hell ist wie unser Zentralgestirn. Das Sommerdreieck komplettiert Atair im Adler, der mit zehnfacher Sonnenleuchtkraft und 16 Lichtjahren Entfernung zur kosmischen Nachbarschaft zählt.

Der Erdtrabant erreicht am Nachmittag des 1. Juni 2017 nahe Regulus im Löwen die zunehmende Halbmondphase, auch als erstes Viertel bezeichnet. Der letzte Vollmond des astronomischen Frühlings erstrahlt am 9. Juni 2017 nahe Saturn im Schlangenträger. Im Wassermann zeigt sich der Mond am 17. Juni 2017 im letzten Viertel, dem abnehmenden Halbmond. Neumond ist am 24. Juni 2017 im nicht zur Ekliptik zählenden Orion.

 

Saisonbeginn für Leuchtende Nachtwolken

 

Im Juni lohnt es sich, bei klarem Himmel einmal nach leuchtenden Nachtwolken Ausschau zu halten. Es handelt sich hierbei um die höchsten bekannten Wolken der Erde, die vor allem im Frühsommer in einer Höhe von ca. 82 Kilometern nahe dem Nordpol entstehen und langsam gen Süden driften.

Nach Sonnenuntergang kann es vorkommen, daß solche hochgelegenen Wolken noch vom Sonnenlicht erreicht werden und somit zu leuchten scheinen, während es am Standort des Beobachters bereits recht dunkel ist.

 

Das Phänomen der leuchtenden Nachtwolken tritt gewöhnlich nur in einem schmalen Bereich der Erde zwischen den Polarkreisen und ca. 50° nördlicher bzw. südlicher Breite auf. In näher an den Polen gelegenen Gebieten sorgt die zur gleichen Jahreszeit herrschende Mitternachtssonne dafür, daß leuchtende Nachtwolken nicht beobachtet werden können. Andererseits lösen sich die Wolken nach und nach auf, je weiter sie (auf der Nordhalbkugel) nach Süden vordringen, weshalb das Phänomen weiter südlich selten zu sehen ist.