Astronomie Aktuell:

 

Der Sternenhimmel im Oktober 2017

 

von Raoul Fiebig

 

 

Goldener Oktober am herbstlichen Firmament

 

Nur wenige Wochen nach dem astronomischen Herbstanfang pr├Ąsentiert sich der abendliche Sternenhimmel im "Goldenen Oktober" in herbstlicher Hochform. In S├╝drichtung erreicht das markante Herbstviereck, dessen Ecksterne zugleich den Rumpf des gefl├╝gelten Pferdes Pegasus markieren, seine h├Âchste Stellung am Himmel - es kulminiert. F├╝r Beobachter auf der n├Ârdlichen Hemisphere steht Pegasus buchst├Ąblich kopf und erstrahlt mit emporgereckten Vorderl├Ąufen am Firmament. Unmittelbar an das Herbstviereck schlie├čt sich in ├Âstlicher Richtung die Sternenkette der Andromeda an, eine Konstellation, in der bei geringer Lichtverschmutzung bereits mit dem blo├čen Auge der bekannte Andromedanebel ersp├Ąht werden kann. Die Erkenntnis, da├č es sich bei diesem "Nebelfleckchen" um unsere 2,5 Millionen Lichtjahre entfernte Nachbargalaxie handelt, revolutionierte Anfang des vergangenen Jahrhunderts unser Bild von der Welt.

 

Ern├╝chternder S├╝dhimmel bei zenitnaher Sternenpracht

 

Hoch am Himmel, fast im Zenit, erkennt man inmitten des leuchtenden Bandes der Milchstra├če das Himmels-W der Kassiopeia und den Kepheus, die als Zirkumpolarsternbilder w├Ąhrend des gesamten Jahres aufgefunden werden k├Ânnen. Der Blick zum tieferen S├╝dhimmel ern├╝chtert angesichts der zenitnahen Sternenpracht. Von S├╝dosten bis in den S├╝dwesten machen sich dort die unscheinbaren Sternbilder Walfisch, Fische, Bildhauer, Wassermann und Steinbock breit. Lediglich Fomalhaut im S├╝dlichen Fisch erstrahlt nahe des S├╝dhorizonts recht einsam in dieser an hellen Sternen sehr armen Region. In den Fischen erreicht am 19. Oktober 2017 der ferne Gasplanet Uranus seine Opposition zur Sonne. Unter einem dunklen Himmel ist der ferne Wandelstern dann gar mit dem blo├čen Auge zu sehen. Mehr als ein strukturloses Scheibchen vermag man allerdings selbst im Amateurteleskop kaum zu erkennen.

 

Im Westen geben die verbliebenen Sommersternbilder ihre Abschiedsvorstellung. Zwar steht das markante Sommerdreieck, das sich aus den hellen Sternen Atair im Adler, Deneb im Schwan und Wega in der Leier konstruiert, noch recht hoch am westlichen Himmel, doch sind andere f├╝r die warme Jahreszeit charakteristische Konstellationen wie Sch├╝tze und Schlangentr├Ąger bereits unter den Horizont gesunken oder erreichen diesen gerade.

 

Auftritt der "Stars" des Winterhimmels

 

In ├Âstlicher Richtung f├Ąllt hoch am Firmament der Perseus auf, der die Grenze zwischen dem Herbst- und dem Winterszenario markiert. In seiner N├Ąhe - unterhalb der Andromeda - befinden sich die kleinen doch recht markanten Sternbilder Dreieck und Widder. Unterhalb des Perseus leuchtet der r├Âtliche Aldebaran als Hauptstern des Stiers. Auch das wohl bekannteste Wintersternbild, der Orion, ├╝berschreitet gerade den Horizont, ebenso die Zwillinge. Hoch im Nordosten schlie├člich zieht der Fuhrmann mit der hellen Kapella die Blicke auf sich.

 

Der bekannte Gro├če Wagen steht nahe des Nordhorizonts in unterer Kulmination. Verl├Ąngert man die Strecke zwischen den beiden hinteren Kastensternen ca. f├╝nfmal, so erreicht man in etwa 50° H├Âhe den Polarstern, der zugleich die Deichselspitze des Kleinen Wagens bildet. Zwischen den beiden Wagen schl├Ąngelt sich der langgestreckte und ebenfalls zirkumpolare Drache hindurch.

 

Der erste Vollmond des astronomischen Herbstes erstrahlt am Abend des 5. Oktober 2017 vor den Sternen der Fische. Im letzen Viertel, dem abnehmenden Halbmond, zeigt sich der Erdtrabant am 12. Oktober 2017. Die Neumondphase wird am Abend des 19. Oktober 2017 erreicht, und am Abend des 27. Oktober 2017 zeigt sich der Mond im ersten Viertel, auch zunehmender Halbmond genannt.

 

Sterne vor der Kamera - Astrofotografie f├╝r Jedermann

 

Viele Sternfreunde m├Âchten den gestirnten Himmel nicht nur mit blo├čem Auge oder optischen Ger├Ąten betrachten, sondern auch fotografieren. Und in der Tat ben├Âtigt der Liebhaberastronom keine aufwendige Ausr├╝stung, um den Einstieg in die Astrofotografie zu schaffen.

 

Voraussetzungen hierf├╝r sind ein m├Âglichst dunkler Himmel (z.B. au├čerhalb von St├Ądten), eine Spiegelreflexkamera, bei der sich die Belichtungszeit frei w├Ąhlen l├Ą├čt, sowie ein stabiles Fotostativ. Eine digitale Spiegelreflex- oder Systemkamera sollte auf eine mittelhohe Empfindlichkeit (z.B. ISO 400) eingestellt werden, um einerseits k├╝rzere Belichtungszeiten zu erzielen, andererseits jedoch ├╝berm├Ą├čiges Chiprauschen zu vermeiden. Weiterhin sollte ein Fernausl├Âser eingesetzt werden, um ein Verwackeln der Aufnahmen zu vermeiden.

 

Mit einem normalen 50mm-Objektiv (kleinbildequivalent) kann ca. 20-30 Sekunden belichtet werden, ohne da├č sich die Sterne aufgrund der Erdrotation als Strichspuren auf dem Film abbilden. Richtet man die Kamera so z.B. auf ein markantes Sternbild wie den Gro├čen Wagen und ├Âffnet die Blende vollst├Ąndig (Fokus unendlich), so wird die Aufnahme je nach Film und Qualit├Ąt des Himmels bereits mehr Sterne als bei der Betrachtung mit blo├čem Auge zeigen.

 

Allerdings besitzen auch sogenannte Strichspuraufnahmen, bei denen man die durch die Erdrotation bedingte Drehung der Sterne bewu├čt in Kauf nimmt, ihren eigenen Reiz. Richten Sie dazu ihre Kamera so aus, da├č der Polarstern und der Gro├če Wagen im Sucher erscheinen. W├Ąhlen Sie dann eine kleine Blende und belichten Sie ca. 20-40 Minuten. Besonders sch├Ân wirkt es, wenn etwa noch B├Ąume oder ├Ąhnliches in einem Teil des Bildes zu sehen sind.