Astronomie Aktuell:

 

Der Sternenhimmel im Mai 2017

 

von Raoul Fiebig

 

 

Auftritt f├╝r die "Stars des Sommerhimmels"

 

Das Fr├╝hlingsdreieck, gebildet aus den Hauptsternen der Sternbilder L├Âwe, B├Ąrenh├╝ter und Jungfrau - Regulus, Arkturus und Spica - zieht am abendlichen Himmel die Blicke auf sich. Der L├Âwe hat den S├╝dmeridian bereits ├╝berschritten und nimmt eine Position im S├╝dwesten ein, w├Ąhrend die wei├čliche Spica etwa in S├╝drichtung steht und sich der B├Ąrenh├╝ter nahezu senkrecht ├╝ber dem Beobachter plaziert.

 

Inmitten der Jungfrau zieht noch immer der Riesenplanet Jupiter die Blicke auf sich. Er hat seine Oppositionsstellung zur Sonne zwar schon einige Wochen hinter sich, bleibt aber das auff├Ąlligste Objekt am Abendhimmel. Vom Morgenhimmel zieht sich der Gasriese jedoch zur├╝ck. Unterhalb des Fr├╝hlingsdreiecks trifft der Beobachter auf das Sternenviereck des Raben, das in dieser recht sternarmen Himmelsgegend deutlich hervortritt. Die umgebenden Konstellationen wie Becher und Wasserschlange fallen lediglich durch "Unauff├Ąlligkeit" auf.

 

Sommerkonstellationen betreten die abendliche B├╝hne

 

Weiter ├Âstlich ist das unscheinbare Tierkreissternbild Waage erkennbar. Der r├Âtliche Hauptstern des Skorpions, Antares, ├╝berschreitet soeben den Horizont tief im S├╝dosten. Den Osthimmel beherrscht der ausgedehnte wie lichtschwache Schlangentr├Ąger mit der Schlange. In diesem Bereich des Himmels, wie auch im benachbarten, bereits h├Âher am Himmel plazierten Herkules, findet der Sternfreund im Feldstecher oder Amateurteleskop zahlreiche Kugelsternhaufen - alte Objekte, in denen Zehntausende von Sternen auf engstem Raum zusammengeballt sind.

 

Der helle Stern Wega im kleinen Sternbild Leier ist im Nordosten zu erkennen, ebenso wie der Schwan - auch Kreuz des Nordens genannt - der ebenfalls in nord├Âstlicher Richtung steht. Die Wega bildet zusammen mit Deneb im Schwan und dem gerade den Horizont ├╝bersteigenden Atair im Adler die "Stars" des Sommerdreiecks, das in den kommenden Monaten den abendlichen Sternenhimmel dominieren wird.

Im Westen verabschieden sich die letzten Vertreter des Winterhimmels. Die auff├Ąlligen Sternbilder Zwillinge und Fuhrmann sind noch in ihren gesamten Ausma├čen erkennbar, w├Ąhrend Orion, Stier und Go├čer Hund bereits das Feld ger├Ąumt haben. ├ťber dem Westhorizont leuchtet Prokyon im Kleinen Hund.

 

Viele Sternschnuppen nach Mitternacht

 

Und w├Ąhrend ├╝ber dem Kopf des Beobachters der zirkumpolare Gro├če Wagen noch immer seine Paradestellung einnimmt, schleicht die jetzt deutlich als Himmels-W erkennbare Kassiopeia samt ihrem Gatten Kepheus am Nordhimmel entlang und erreicht in diesem Monat ihre tiefstm├Âgliche Stellung am Himmel. Wie alle anderen Zirkumpolarsternbilder steht sie aber zu nah am Polarstern, als dass sie unter den Horizont sinken k├Ânnte.

 

In den fr├╝hen Morgenstunden des 5. Mai 2017 erreicht der Sternschnuppenstrom der Eta-Aquariden sein Maximum, bei dem mit bis zu 60 Meteoren pro Stunde gerechnet werden kann. Leider befindet sich der Radiant (also der Punkt, von dem die Sternschnuppen auszugehen scheinen) in unseren Breiten sehr horizontnah, was die Beobachtung deutlich erschwert. Der Meteorschauer geht auf den Halleyschen Kometen zur├╝ck.

 

Der Mond erreicht am fr├╝hen Morgen des 3. Mai 2017 das Erste Viertel, auch als zunehmender Halbmond bezeichnet. Der Mai-Vollmond ist am Abend des 10. Mai 2017 vor den Sternen der Waage zu sehen, w├Ąhrend sich der Erdtrabant am fr├╝hen Morgen des 19. Mai 2017 im Wasser im Letzten Viertel zeigt, dem abnehmenden Halbmond. Neumond ist am 25. Mai 2017.

 

Sterne vor der Kamera - Astrofotografie f├╝r Jedermann

 

Viele Sternfreunde m├Âchten den gestirnten Himmel nicht nur mit blo├čem Auge oder optischen Ger├Ąten betrachten, sondern auch fotografieren. Und in der Tat ben├Âtigt der Liebhaberastronom keine aufwendige Ausr├╝stung, um den Einstieg in die Astrofotografie zu schaffen.

 

Voraussetzungen hierf├╝r sind ein m├Âglichst dunkler Himmel (z.B. au├čerhalb von St├Ądten), eine Spiegelreflexkamera, bei der sich die Belichtungszeit frei w├Ąhlen l├Ą├čt, sowie ein stabiles Fotostativ und bei konventionellen Kameras ein lichtempfindlicher Kleinbildfilm (z.B. ISO 400). Eine digitale Spiegelreflexkamera sollte auf eine mittelhohe Empfindlichkeit eingestellt werden, um einerseits k├╝rzere Belichtungszeiten zu erzielen, andererseits jedoch ├╝berm├Ą├čiges Chiprauschen zu vermeiden. Weiterhin sollte ein Fernausl├Âser eingesetzt werden, um ein Verwackeln der Aufnahmen zu vermeiden.

 

Mit einem normalen 50mm-Objektiv (kleinbildequivalent) kann ca. 20-30 Sekunden belichtet werden, ohne da├č sich die Sterne aufgrund der Erdrotation als Strichspuren auf dem Film abbilden. Richtet man die Kamera so z.B. auf ein markantes Sternbild wie den Gro├čen Wagen und ├Âffnet die Blende vollst├Ąndig (Fokus unendlich), so wird die Aufnahme je nach Film und Qualit├Ąt des Himmels bereits mehr Sterne als bei der Betrachtung mit blo├čem Auge zeigen.

 

Allerdings besitzen auch sogenannte Strichspuraufnahmen, bei denen man die durch die Erdrotation bedingte Drehung der Sterne bewu├čt in Kauf nimmt, ihren eigenen Reiz. Richten Sie dazu ihre Kamera so aus, da├č der Polarstern und der Gro├če Wagen im Sucher erscheinen. W├Ąhlen Sie dann eine kleine Blende und belichten Sie ca. 20-40 Minuten. Besonders sch├Ân wirkt es, wenn etwa noch B├Ąume oder ├Ąhnliches in einem Teil des Bildes zu sehen sind.