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Der Sternenhimmel im März 2010

- von Raoul Fiebig -

Sternkarte 3/2010 (The Sky 6.0 © Bisque Software)

Frühlingserwachen am Sternenhimmel

Der abendliche Sternenhimmel nimmt im März deutlich frühlingshafte Züge an, und die Sternbilder des Wintersechsecks verlagern sich in Richtung Westhimmel. Sirius, der hellste Fixstern am irdischen Nachthimmel, funkelt hell strahlend nahe dem Südwesthorizont, dem der Himmelsjäger Orion und der Stier auch schon bedeutend näher gekommen sind. Die markanten Formationen Fuhrmann und Zwillinge stehen zwar noch recht hoch am Himmel, täuschen aber nicht darüber hinweg, daß die Winterszenerie ihre Glanzperiode bereits hinter sich hat.


Frühlingsdreieck meldet seine Regentschaft an


Die bekannten Frühlingssternbilder schicken sich an, die Regentschaft am Firmament zu übernehmen, allen voran der gewaltige Löwe, der sich schon fast bis zur Südrichtung emporgeschwungen hat. Die Jungfrau mit dem Hauptstern Spica sowie der Bootes mit dem rötlichen Arkturus folgen in gebührendem Abstand. Gemeinsam mit Regulus im Löwen bilden Arkturus und Spica das markante Frühlingsdreieck.

Hoch über den Köpfen der Betrachter, nahe dem Zenit, zieht das wohl berühmteste Sternbild die Blicke auf sich: Der Große Wagen. Der Schwung der Wagendeichsel weist auf Arkturus und weiter zu Spica, und wenn man die hinteren beiden Kastensterne etwa fünfmal in Richtung Norden verlängert, gelangt man zum Polarstern, der zugleich die Deichselspitze des Kleinen Wagens markiert.

Im Nordwesten findet sich das auffällige Himmels-W der Kassiopeia, die als Zirkumpolarsternbild aufgrund ihrer Nähe zum Himmelspol niemals unter den Horizont sinken kann. Das Himmels-W steht inmitten des leuchtenden Bandes der Milchstraße, das sich in einem leicht westwärts gerichteten Bogen von Süden zum Nordhorizont spannt, wo einsam die hellen Sterne Wega in der Leier und Deneb im Schwan funkeln und davon künden, daß in wenigen Monaten der Sommer Einzug halten wird. Einen ausführlichen Überblick über den aktuellen Sternenhimmel mit zahlreichen Beobachtungstips gibt Frank Bewermeyer am 22.03.2010 um 19.30 Uhr im Rahmen des kurzen Astro-Specials "Der Sternenhimmel im Frühling" in der Volkssternwarte Paderborn. Im Zeitraum vom 23.-26. März bietet sich zudem wieder einmal die Möglichkeit, im Rahmen einer Exkursion mit mobilen Teleskopen von einem Beobachtungsplatz außerhalb der Paderborner Lichtglocke den Himmel und seine vielfältigen Objekte zu betrachten.


Mars & Saturn ziehen die Blicke auf sich


In südsüdwestlicher Richtung leuchtet - deutlich rötlich - unser äußerer Nachbarplanet Mars zwischen den Zwillingen und dem unscheinbaren Krebs. Bereits im Januar stand er in Opposition zur Sonne, so dass seine Helligkeit inzwischen deutlich abgenommen hat. Zum Monatsende passiert Mars zudem den sonnenfernsten Punkt seiner elliptischen Bahn um die Sonne. Im Südosten hält sich in der Jungfrau der Ringplanet Saturn. Am 22. März erreicht der zweitgrößte Planet des Sonnensystems seine Oppositionsstellung gegenüber der Sonne und ist damit während der gesamten Nacht zu sehen. Bereits in einem kleinen Fernrohr werden die spektakulären Ringe dieses Gasplaneten sowie die hellsten seiner ca. 60 Monde sichtbar. Der Erdtrabant erreicht am Nachmittag des 7. März das letzte Viertel, am 15. März ist Neumond. Das erste Viertel wird zur Mittagsstunde des 23. März im Stier erreicht und der Märzvollmond erstrahlt am frühen Morgen des 30. März vor den Sternen der Jungfrau. Am 28. März 2010 um 2 Uhr MEZ werden die Uhren um eine Stunde auf 3 Uhr MESZ vorgestellt, womit die Sommerzeit Einzug hält und astronomische Beobachtungen des Nachthimmels in die späteren Abendstunden verschoben werden.


Tagundnachtgleiche / Frühlingsbeginn am 20. März


Am 20. März 2010 um exakt 18.32 Uhr MEZ beginnt der astronomische Frühling. Doch wie ist es möglich, diesen Zeitpunkt minutengenau anzugeben, und was verbirgt sich dahinter?

Unsere Erde umrundet in ca. 365 Tagen (entspricht einem Erdenjahr) die Sonne. Bedingt durch die Schrägstellung der Erdachse gegenüber der Bahnebene unseres Heimatplaneten von 23,5° entstehen die Jahreszeiten. Im Sommer der nördlichen Hemisphäre weist der Nordpol der Sonne entgegen. Diese erreicht auf der Nordhalbkugel ihre größtmöglichen Höhen am Himmel und geht jenseits des Polarkreises um den Sommeranfang herum gar nicht mehr unter. Im Winter verhält es sich genau anders herum: Die Sonne steht selbst zur Mittagszeit recht tief am Himmel und die Tage sind entsprechend kurz. Nördlich des Polarkreises herrscht die Polarnacht.

Ähnlich wie auf der Erde gibt es auch am Sternenhimmel ein Koordinatensystem. Dieses kann man sich als das an den Himmel projizierte Koordinatensystem der Erde vorstellen. Der Himmelsäquator verläuft über dem Erdäquator und die Himmelspole sind in Verlängerung der irdischen Pole zu finden. Die Ekliptik, die scheinbare Sonnenbahn - tatsächlich die Umlaufbahn der Erde um unser Zentralgestirn, bildet mit dem Himmelsäquator den bekannten Winkel von 23,5°. Den Zeitpunkt, an dem die Sonne von der Erde aus betrachtet den Himmelsäquator nach Norden überschreitet, bezeichnet man als Frühlingsanfang oder auch Tagundnachtgleiche. Von diesem Tag an sind die Nächte kürzer als die Tage. Zugleich steht die Sonne an diesem Tag über dem Äquator im Zenit, also senkrecht über dem Beobachter. Drei Monate später, am 21. Juni 2010, wird sie zur sogenannten Sommersonnenwende den höchsten Punkt der Ekliptik - 23,5° nördlich des Himmelsäquators - erreichen. In der Folge werden die Tage langsam wieder kürzer.

Ringplanet Saturn im Amateurteleskop (Foto © Rochus Hess)

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