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Der Sternenhimmel im September 2010

- von Raoul Fiebig -

Sternkarte 9/2010 (The Sky 6.0 © Bisque Software)

Mythologische Himmelskonstellationen

Langsam aber sicher hält der Herbst am Sternenhimmel Einzug. Allerdings zeigt sich bei genauerer Betrachtung des Südhimmels, dass einige Sommersternbilder - allen voran das bekannte Sommerdreieck - gerade erst den Südmeridian passiert und die Herbstkonstellationen noch nicht vollends das Zepter übernommen haben.

Das Sommerdreieck, das sich aus den hellen Sternen Deneb im Schwan, Atair im Adler und Wega in der Leier konstruiert, beherrscht den Südwesthimmel, wobei Deneb sich inmitten des Milchstraßenbandes fast genau über dem Kopf des Beobachters im Zenit befindet. Tief im Südwesten versinkt der Schütze bereits wieder unter dem Horizont, und auch der ausgedehnte Schlangenträger mit der Schlange gibt seine Abschiedsvorstellung. Noch etwas höher trifft man am Westhimmel auf den Herkules und die Nördliche Krone, während der Bärenhüter (Bootes) als letztes klassisches Frühlingssternbild nun unweigerlich die Himmelsbühne in Nordwestrichtung räumen muß.


Sternenarmer Südhimmel und himmlische Sagen


Der unmittelbare Südhimmel präsentiert sich mit dem unauffälligen Tierkreissternbild Steinbock recht sternenarm. Nahe des Horizonts leuchtet als einsamer hellerer Stern Fomalhaut im Sternbild Südlicher Fisch. Blickt man vom Steinbock aus in Richtung Zenit, so trifft man auf den kleinen Delphin. Das prägnante Herbstviereck, das zugleich den Rumpf des geflügelten Pferdes Pegasus markiert, plaziert sich in südöstlicher Richtung. Im Osten schließt sich die Sternenkette der Andromeda an, in deren Nähe außerhalb der städtischen Lichterflut der berühmte Andromedanebel bereits mit bloßem Auge zu erspähen ist. Das Licht dieser Nachbargalaxie unserer Milchstraße ist ca. 2,9 Millionen Jahre unterwegs, bevor es das Auge des irdischen Betrachters erreicht. Die Andromeda ist Teil der stellaren Sagenwelt: Der Legende zufolge hatten die Königin Kassiopeia und ihr Gatte Kepheus die Götter erzürnt, und waren somit gezwungen, ihre Tochter Andromeda einem schrecklichen Seeungeheuer, dem Walfisch, zu opfern. Gerade noch rechtzeitig erschien jedoch der Held Perseus und errettete Andromeda, indem er dem Ungetüm den abgeschlagenen Kopf der Medusa vorhielt. In der Folge wurden alle Figuren am Himmel verewigt, wo man sie noch heute in Form der Sternbilder finden kann. Einen leicht verständlichen Überblick über den Sternenhimmel im Herbst 2010 präsentiert Raoul Fiebig im Rahmen eines Astro-Specials am Montag, 13.09.2010, um 19.30 Uhr in der Volkssternwarte Paderborn.


Jupiter und Uranus nahezu zeitgleich in Oppositionsstellung


Die wenig markanten Sternbilder Wassermann, Fische und Walfisch bevölkern den unteren Südosthimmel. In den Fischen erreicht am 21. September 2010 nahezu zeitgleich die beiden Gasplaneten Jupiter und ihre Oppositionsstellung gegenüber der Sonne. Jupiter ist hierbei nach dem Untergang der Venus in den frühen Abendstunden das nach dem Mond hellste Objekt am Firmament. Im Fernrohr erkennt man Wolkenstrukturen und vier seiner zahlreichen Monde. Fernab des störenden Stadtlichts ist der sehr viel weiter entfernte, kleinere Uranus, von dem uns beinahe drei Milliarden Kilometer trennen, theoretisch mit bloßem Auge als schwach leuchtendes Lichtpünktchen zu erkennen. Ein guter Feldstecher oder ein Amateurfernrohr erleichtern die Beobachtung immens.

In ostnordöstlicher Richtung überschreitet der Stier mit dem hellen Stern Aldebaran soeben den Horizont und kündet vom nicht mehr all zu fernen Winter. Auch der in unseren Breiten teilweise zirkumpolare Fuhrmann sowie der Perseus gelten als Vorboten der kalten Jahreszeit.

Den Großen Wagen findet man im September nahe des Nordhorizonts, doch steht auch er als Zirkumpolarsternbild dem Himmelsnordpol so nahe, daß er niemals unter den Horizont sinken kann. Wer die hinteren beiden Kastensterne des Wagen fünfmal vom Horizont weg verlängert, trifft auf den Polarstern, der als Hauptstern des Kleinen Wagens zugleich den Himmelspol markiert.

Der Mond erreicht am frühen Abend des 1. September 2010 nahe den Plejaden im Stier das letzte Viertel. Neumond ist in den Mittagsstunden des 8. September 2010. Im ersten Viertel steht der Erdtrabant am 15. September 2010 vor den Sternen des Schlangenträgers und der Septembervollmond erstrahlt am 23. September 2010 in den Fischen.


Tagundnachtgleiche / Herbstbeginn am 23. September 2010


Am 23. September 2010 um exakt 05.09 Uhr MESZ beginnt der astronomische Herbst. Doch wie ist es möglich, diesen Zeitpunkt minutengenau anzugeben, und was verbirgt sich dahinter?

Unsere Erde umrundet in ca. 365 Tagen (entspricht einem Erdenjahr) die Sonne. Bedingt durch die Schrägstellung der Erdachse gegenüber der Bahnebene unseres Heimatplaneten von 23,5° entstehen die Jahreszeiten. Im Sommer der nördlichen Hemisphäre weist der Nordpol der Sonne entgegen. Diese erreicht auf der Nordhalbkugel ihre größtmöglichen Höhen am Himmel und geht jenseits des Polarkreises um den Sommeranfang herum gar nicht mehr unter. Im Winter verhält es sich genau anders herum: Die Sonne steht selbst zur Mittagszeit recht tief am Himmel und die Tage sind entsprechend kurz. Nördlich des Polarkreises herrscht die Polarnacht.

Ähnlich wie auf der Erde gibt es auch am Sternenhimmel ein Koordinatensystem. Dieses kann man sich als das an den Himmel projizierte Koordinatensystem der Erde vorstellen. Der Himmelsäquator verläuft über dem Erdäquator und die Himmelspole sind in Verlängerung der irdischen Pole zu finden. Die Ekliptik, die scheinbare Sonnenbahn - tatsächlich die Umlaufbahn der Erde um unser Zentralgestirn, bildet mit dem Himmelsäquator den bekannten Winkel von 23,5°. Den Zeitpunkt, an dem die Sonne von der Erde aus betrachtet den Himmelsäquator nach Süden überschreitet, bezeichnet man als Herbstanfang oder auch Tagundnachtgleiche. Von diesem Tag an sind die Nächte länger als die Tage. Zugleich steht die Sonne an diesem Tag über dem Äquator im Zenit, also senkrecht über dem Beobachter. Drei Monate später, am 21. Dezember 2009, wird sie zur sogenannten Wintersonnenwende den tiefsten Punkt der Ekliptik - 23,5° südlich des Himmelsäquators - erreichen. In der Folge werden die Nächte langsam wieder kürzer.

Die Sonne im Herbstpunkt ("The Sky 5" © Bisque Software)

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